Aus der Dorfgeschichte
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Die Gegend von Orpund muss schon in urgeschichtlicher Zeit bewohnt gewesen sein. Eine Feuerstein-Pfeilspitze, gefunden in der Nähe der Stöck, weist auf das 3. Jahrhundert vor Christi hin. Grabfunde bei Zihlwil und beim Friedhof stammen aus der Latène-Zeit, also aus dem 4. bis 1. Jahrhundert vor Chr. Ein besonders schöner, kobaltblau gefärbter Glasarmreif aus einem dieser Gräber befindet sich mit vielen andern urgeschichtlichen Funden aus der Orpundergegend im Historischen Museum in Bern.

Urkundlich wird Orpund erstmals in einem Brief von Graf Rudolf von Neuenburg erwähnt, als dieser im Sept. 1255 dem Prämonstratenserkloster Bellelay die Stätte Gottes (locus dei) bei Orpunt zur Gründung einer Abtei übergab. Aufschlussreich ist die verschiedene Schreibweise des Namens Orpund in den noch vorhandenen Akten im Staatsarchiv Bern: Orpunt, Orpund, Orpont, Orbunt. Paul Oettli schreibt hierüber in seinem Werk: "Deutschschweizerische Ortsnamen", die Ortsbezeichnung sei vermutlich aus den Worten Orbe und Pont (Brücke) entstanden. Der Zufluss des Neuenburgersees heisst in seinem Oberlauf Orbe, später Thièle, deutsch Zihl, daher der Name des Weilers Zihlwil. Der Fluss muss also noch in seinem untersten Lauf Zihl und Orbe genannt worden sein. Beide Namen bedeuten "Kuh" und rühren von einem Kuh-Dämon her, der nach dem Glauben der Gallier im Fluss hauste.


Das kleine Fischerdorf Orpund bestand noch1783 aus bloss 43 strohbedeckten Häusern und einer Schmitte. Im Kirchgemeinderodel Gottstatt von 1791 wird geklagt: "Der halbige Teil des Dorfes Orpund gehört nach Mett. Dieses hat von je her grosse Verwirrung in den Rödeln angestiftet und führte häufig zu Prozessen und Streitigkeiten". Die Grenze zwischen dem Kirchspiel Gottstatt und Mett führte mitten durch ein Doppelstrohhaus, das seinerzeit gegenüber dem alten Schulhaus von Orpund stand. Neben dem Schmied, der urkundlich erstmals 1641 genannt wird, gab es im Dorf einen Schuster, einen Pintenwirt, einen Küfer und viele Bauern. Lange Zeit lebten aber die Orpunder in erster Linie vom Fischfang. In einer Aufzeichnung von 1737 heisst es: "In Orpund ist fast das ganze Dorf zu Fischern geworden." Diese müssen sehr eifrig und erfolgreich gewesen sein. Sie begnügten sich nicht nur mit der Netzfischerei in der Zihl, sondern fischten oft auch in der Aare. Als im Jahre 1715 der Landvogt in Aarberg Orpunderfischer beobachtete, wie sie unter der Holzbrücke in einem Zug 26 Salme, jede 20-30 Pfund schwer, hinaufzogen und ihm dann das Pfund noch zwei Kreuzer teurer als üblich verkaufen wollten, verbot er diesen kurzweg das Fischen in der Aare.

Das Dorf blieb auch nicht von Kriegszügen, Seuchen und Bränden verschont. Im Jahre 1375 drangen fremde Krieger, Gugler genannt, unter Führung des Söldnerhauptmannes Frant in Orpund ein und verwüsteten das Kloster Gottstatt, dann brandschatzten sie in der ganzen Umgebung. Von schweren Krankheiten, die seuchenartig um sich griffen, berichten uns Eintragungen in den Kirchenrödeln. Schlimm erging es dem Dörfchen am 8. Mai 1778 und am 28. Juni 1868, als Brandkatastrophen viel Not und Elend für die Bewohner brachten. Das Feuer fand natürlich reichlich Nahrung in den strohgedeckten Holzhütten. Nach dem Brande von 1778 sammelte man im ganzen Seeland für die "brunstgeschädigten" Orpunder. Da wurden "Strohschrauben" für die Dächer, "Kalkfässlin", Korn, Dinkel, Brot, Rafentannen, Türschwellen und viel Bargeld gespendet. Der Brand von 1868 forderte 1 Todesopfer und 30 Firsten wurden vernichtet. Entfacht wurde er durch Brandstiftung an einem Hause in der Gegend des Gässli und eine leichte Bise vom Jura her verbreitete das Feuer sehr rasch. Eine grosse Sorge für das Hilfskomitee bildete die Unterbringung der vielen obdachlos gewordenen Familien. Jedes Stübchen in der ganzen Gemeinde wurde besetzt. Im Juli bewilligte der Regierungsrat die Benützung des Kornhauses als Notwohnung für die Brandgeschädigten.

So lebten viele Generationen im bescheidenen Dort, welches während Jahrhunderten stets gleich klein blieb, bis in den letzten Jahren die nahe Stadt mit ihren Riesenfingern und ihrem Landhunger immer mehr nach der Siedlung griff. Sie machte aus dem verträumten Fischerdörfchen eine stattliche Gemeinde, wo Handwerk, Gewerbe, Industrie und Wohnsiedlungen den Bauern immer mehr zurückdrängen; eine Erscheinung, wie sie in jeder Vorortsgemeinde festzustellen ist. Die 30-pfündigen Salme in der Aare sind verschwunden, andere Verdienstmöglichkeiten gestatten den Bewohnern ein sicheres Einkommen. Eine ganz neue Zeitepoche hat für das Dorf begonnen. Möge sie ihren Bewohnern viel Glück und Zufriedenheit bringen.

Konrad Weber, geb. 1921 (Lehrer in Orpund von 1947 bis 1953)




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